Nikotinpräparate wie das Nikotinpflaster waren die ersten Entwöhnungshilfen, um vor allem starken Rauchern den Entzug zu erleichtern. Viele vertrauen darauf, dass ihnen die Pflaster beim Rauchen aufhören helfen und die Entwöhnungshilfe hat sich schon seit langer Zeit bewährt. Doch auch wenn der Körper an den Stoff gewöhnt ist und das Medikament ohne Rezept erhältlich ist: harmlos ist Nikotin nicht. Lesen Sie hier, was sie bei der Anwendung von Nikotinpflastern zur Raucherentwöhnung unbedingt beachten sollten.
Nikotinpflaster - der Behandlungsbeginn
Nikotinpflaster sind in verschiedenen Anwendungsformen erhältlich, die sich hauptsächlich in ihrer Wirkungsdauer und Dosierungsmöglichkeiten unterscheiden. Das Nikotin wird über eine Membran aus dem Pflaster freigesetzt über die Haut aufgenommen.
Empfohlen wird mit einer relativ hohen Dosis anzufangen und diese dann teilweise über mehrere Wochen langsam zu reduzieren bis das Pflaster vollständig abgesetzt werden kann. Täglich, am besten morgens unmittelbar nach dem Aufstehen, wird ein Pflaster nach Entfernen der Schutzfolie auf eine saubere, trockene und unverletzte Hautstelle an Rumpf, Oberarm oder Hüfte aufgeklebt und fest 10-20 Sek. auf die Haut gedrückt.
Mit Beginn und während der Behandlung mit Nikotinpflastern muss das Rauchen völlig eingestellt werden. Auch eine anderweitige Nikotinzufuhr (Schnupftabak, Kautabak) muss vermieden werden, da es sonst vermehrt zu unerwünschten Wirkungen durch die Überdosierung kommen kann. Unter anderem können schwere Herz-Kreislauf-Reaktionen bis hin zum Herzinfarkt auftreten. Nikotin ist eine für Nichtraucher und Kinder hochgiftige Substanz. Auch eine Dosierung, die für Erwachsene gut verträglich ist, kann bei kleinen Kindern zu schweren Vergiftungserscheinungen führen, d.h. das spielerische Aufkleben eines Pflasters kann, wenn es nicht rechtzeitig bemerkt wird, für Kinder tödlich sein. Deshalb müssen Nikotinpflaster jederzeit für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden. Da die Pflaster auch nach Gebrauch noch Nikotin enthalten können, müssen sie so beseitigt werden, dass sie unter keinen Umständen in die Hand eines Kindes gelangen können.
Gegenanzeigen
Hier sollten Nikotinpflaster nicht angewendet werden: Eine Anwendung von Nikotinpflaster sollte für folgende Erkrankungen vermieden werden: schwere Herzrhythmusstörungen, frischer Herzinfarkt, Überempfindlichkeit der Haut gegen Nikotin, vor kurzem aufgetretener Schlaganfall, sich verschlechternde Verengung der Herzkranzgefäße, chronische Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, chronische Hautentzündungen und Nesselsucht.
Anwendungsbeschränkungen
Bei folgenden Erkrankungen sollten Nikotinpflaster nur mit besonderer Vorsicht und in Rücksprache mit dem Arzt angewendet werden: schwere Herzschwäche, stabile Verengung der Herzkranzgefäße, Überfunktion der Schilddrüse, stark erhöhter Blutdruck, Hirngefäßerkrankungen, akute Magen- und Darmgeschwüre, Durchblutungsstörungen an Armen und Beinen, insulinpflichtige Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), schwere und anhaltende Hautirritationen.
Nikotinpflaster während der Schwangerschaft und Stillzeit
Nikotin geht in die Muttermilch über und wird somit auch vom Säugling aufgenommen. Generell sollte daher während der Schwangerschaft nicht geraucht und auch auf Nikotinersatzpräparate verzichtet werden. Für Säuglinge ist Nikotin besonders schädlich und es kann während der Schwangerschaft zu Störungen der Embryonalentwicklung kommen.
Schwangere Raucherinnen sollten deshalb das Rauchen ohne Unterstützung durch nikotinhaltige Medikamente aufgeben. Nur wenn das nicht gelingt und die Gefahr des Weiterrauchens besteht, sollte in Absprache mit dem Arzt eine Behandlung mit Nikotinersatzmitteln in Betracht gezogen werden.
Nebenwirkungen von Nikotinpflastern
Es können alle Nebenwirkungen auftreten, die auch das Rauchen verursacht: (Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Herzrasen, vorübergehende leichte Blutdrucksteigerung). Die häufigsten unerwünschten Wirkungen des Nikotinpflasters sind Hautirritationen an der Aufklebestelle: Juckreiz, Hautrötungen, Hautausschlag, Schwellungen an der Aufklebestelle, brennen an der Aufklebestelle. Diese Hautreaktionen können besonders in den ersten Wochen auftreten. Sie sind meist leichter Natur und verschwinden im allgemeinen innerhalb eines Tages nach Entfernen des Nikotinpflasters. Gelegentlich bleiben die Hautreaktionen bestehen, dann sollte die Behandlung abgebrochen werden.
Gelegentliche Nebenwirkungen auf das Nervensystem: Kopfschmerzen, Ängstlichkeit, Schwindel, Verstimmungen, Schlafstörungen. Selten: Muskelzuckungen, Migräne, Benommenheit.
Seltende Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem: Herzklopfen, Schmerzen im Brustkorb, Hitzegefühl. In
Einzelfällen: Herzrasen, leichter Blutdruckanstieg.
Gelegentliche Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt: Verstopfung, Übelkeit, Durchfall, Blähungen. Selten: Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Sodbrennen. Diese Nebenwirkungen können auch Entzugssymptome aufgrund einer zu geringen Nikotinzufuhr (Entzugserscheinungen) sein.
Verschiedene seltene bis gelegentliche Nebenwirkungen: Muskelschmerzen, Muskelverkrampfungen, Geschmacksstörungen, Mundgeschwüre, Akne, Brennen auf der Zunge, Schwitzen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten:
Die Wirkungen mancher Arzneimittel können durch gleichzeitige Anwendung anderer Mittel beeinflusst werden. Wechselwirkungen zwischen Nikotinpflaster und anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.
Überdosierung und andere Anwendungsfehler
Die Symptome von Überdosierungen sind ähnlich denen, die beim exzessiven Rauchen auftreten: Schwindel, Mattigkeit, Übelkeit, kalter Schweiß, Erbrechen und Durchfall. Bei Vergiftungen durch eine Überdosierung (z.B. wenn mehrere Pflaster gleichzeitig verwendet werden) oder durch Anwendung bei Kindern können weitere Symptome wie Blutdruck- und Temperaturabfall, Atemnot, Hör- und Sehstörungen, schwacher und unregelmäßiger Puls sowie Krämpfe auftreten. Bei Anzeichen von Überdosierung sollte das Nikotinpflaster sofort entfernt werden. Die Symptome verschwinden mit sinkendem Nikotinspiegel im Blut innerhalb weniger Stunden. Bei schweren Vergiftungen müssen sofort Notfallmaßnahmen ergriffen und ein Arzt aufgesucht werden.


